Der Stand-up-Comedian Deniz Göktaş wurde in Istanbul verhaftet. Die Festnahme erfolgte nach einer Darbietung, die auf YouTube neun Millionen Vierhundertdreißigtausend Aufrufe erzielte. Göktaş wurde beschuldigt, in seinem Bühnenprogramm Hass und Feindseligkeit zu schüren sowie den Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan beleidigt zu haben.
Göktaş galt als jüngster Performer, der von der Repressionswelle in der Türkei erfasst wurde. Diese Maßnahme zielte auf Aktivisten, Journalisten und andere öffentliche Persönlichkeiten ab. In den letzten Wochen wurden zudem den Zugang zu den Social-Media-Konten zahlreicher LGBT+-Organisationen und Aktivisten gesperrt. Mehr als zweihundert Personen wurden vor dem Gipfel der NATO-Führer in Ankara festgehalten.
Für den Gipfel, der am 7. und 8. Juli von Erdoğan ausgerichtet wurde, wurden Zehntausende von Sicherheitskräften entsandt. Journalistinnen, Anwälte, Akademiker und Umweltaktivisten wurden bereits im vergangenen Monat verhaftet. Auch Demonstrationen in Ankara wurden bis zum 10. Juli verboten, und unabhängige türkische Medien beklagten den Verzicht auf Akkreditierungen für den Gipfel. Die NATO erklärte, sie stützte sich auf die Gastnation, um den Zugang zu gewährleisten, und pflegte jedoch Kontakt mit den türkischen Behörden.
Göktaş wurde verhaftet, als er von einem Urlaub zurück nach Istanbul kehrte. Bilder des Comedians, wie er mit angeketteten Händen abgeführt wurde, lösten sofortige Kritik von seinen Unterstützern aus. Das Gericht stimmte dem Antrag auf Untersuchungshaft für einen Teil der Darbietung zu, die Erdoğan und den Koran thematisierte.
Die Staatsanwaltschaft in Istanbul erhielt 185 Beschwerden bezüglich Göktaşs Video. Die Religionsbehörde der Türkei erwähnte die Stand-up-Show in ihrer wöchentlichen Predigt, die in allen Moscheen des Landes vorgelesen wurde. Die Kanzlei des Obersten Muftis beklagte, dass die Nutzung digitaler Plattformen und gelegentliche Verspottung heiliger Werte unter dem Deckmantel des Humors die Kinder allmählich von ihren Werten entfernte.
Göktaş erklärte gegenüber den Staatsanwälten, er habe keinerlei Absicht gehabt, religiöse Personen zu beleidigen, und bestritt die Beleidigung des Präsidenten. Er betonte, dass er die Show bereits in verschiedenen türkischen Städten für fast drei Jahre aufgeführt habe, und dass seine Verwendung des Wortes „Diktator“ ein häufig diskutiertes Thema in der Türkei sei. Kritiker sahen die Verhaftung als Teil eines breiteren Musters, das öffentliche Figuren in der Türkei anzielte. Die Freiheit der Meinungsäußerung wurde von Beobachtern als geschützt erachtet, da Satire in der Verfassung der Türkei und in der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt sei.